Tagungsankündigung: HyperKult XXIII: Bring your own … – 17.-19. Juli 2014

Call for Participation

HyperKult XXIII

17.-19. Juli 2014
Lüneburg
Centre for Digital Cultures
Medien- und Informationszentrum und
Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien der
Leuphana Universität Lüneburg
Fachgruppe „Computer als Medium“ im
Fachbereich „Informatik und Gesellschaft“ der
Gesellschaft für Informatik e. V.

Bring your own …

… device
Erst mit den mobilen Devices brach die hautnahe Existenzform des Digitalen in unseren Rucksäcken, Hosen-, Hemd- und Handtaschen an. Denn erst das Smartphone ist meine wirklich eigene, persönliche Maschine der kalkulierten Verschmelzung mit der Alltagsrealität aller.
Von allen Dingen sind die Gadgets in Form von Telefon, Tablet oder Armband wohl die, mit denen wir am häufigsten interagieren. Deshalb bedeuten die mitgebrachten Devices am Arbeitsplatz, woher auch die „Bring Your Own Device“-Bewegung stammt, nicht nur eine Kostenersparnis und ein Sicherheits-Albtraum für die IT-Abteilungen, sondern auch eine neues, viel persönlicheres Verhältnis zwischen Technik und Person. Das Handy-Betriebssystem und die installierten Apps sind Ausdruck unserer Persönlichkeit, unser Stil. Firmen-Geräte benutzen zu müssen, kommt dem Tragen von Dienstkleidung nahe.
Dabei haben wir die Gewalt über die Geräte selbst schon verloren. Batterien werden verschweißt, Stecker bei jeder Generation neu erfunden, Daten verschlüsselt und der Root-Zugang zum System für den Benutzer durch den Hersteller gesperrt. Oder wie Cory Doctorow es fomulierte: „The question is simple. Once we create a design norm of devices that users can’t override, how far will that creep?“
Die „Planned Obsolescence“ führt dazu, dass wir in immer kürzeren Abständen statt zu reparieren uns die neueste und schnellste Generation kaufen.
Gibt es vielleicht aber auch einen anderen Weg? Können wir unsere Gadgets selber bauen? Werden wir künftig nicht nur Spielzeugfiguren und Nudeln (ja, Barilla will so etwas vertreiben!), sondern auch die Waffen drucken, zu denen wir notfalls greifen werden? Kann die Maker-Bewegung, eine DIY-Subkultur, als Vorbild dienen? Oder gehen wir demnächst zum Smartphone-Outfitter, wie wir auch den Frisör besuchen?
… data center
Die Maschinen sind unser ständiger Begleiter: immer betriebsbereit und verfügbar sorgen sie dafür, dass auch wir im Dauerbetrieb und unter -belastung stehen. Der sogenannte Google-Effekt setzt ein. Es ist einfacher und schneller, das Internet um Rat zu fragen, als selbst im eigenen Gedächtnis zu kramen.
Wir quantifizieren uns, lassen Schritte und Kalorien zählen, uns in der flachsten Schlafphase am Morgen wecken. Und nehmen dabei in Kauf, dass wir dabei auch unter Dauerbeobachtung stehen. Wir sind endgültig zu Cyborgs geworden.
Längst sind wir nicht mehr Herr (oder Herrin) unserer eigener Daten, die irgendwo in der Cloud gespeichert sind. Durch die Zusammenführung mit anderen Daten(-spuren) liefern wir freiwillig den Stoff, aus dem die kühnsten Träume von Werbe-Abteilungen und Geheimdiensten sind.
Ist es noch möglich, die Herrschaft über unsere Daten wieder zu erlangen? Was taugen die privaten Clouds, vereinen sie Privatheit mit Bequemlichkeit? Hilft Verschlüsselung? Wann crowdsourcen wir unsere eigene, persönliche Infrastruktur?
… Big Data
Warum unsere Daten nur den Geschäftemachern überlassen? Es gibt Schnittstellen zu den Datenbanken der ganz Großen, natürlich für die Werbeindustrie, aber auch zu Forschungszwecken, manchmal, wenn die ganz Großen einmal großzügig sind. Für eine Selbstermächtigung über die vielen kleinen Schnipsel, die dann zu richtig GROSSEN DATEN werden sollen, könnte man subversiv und kollektiv selbst welche sammeln, man könnte sie verkaufen (Lessig: „Privacy as Property“), den Zugang zu den kommerziellen Daten-Kollektionen erstreiten, erhacken, vielleicht sogar verhandeln, um das Image derer aufzupolieren, die in Verdacht stehen, manchmal doch Böses zu tun. Und eigentlich: haben wir ein Recht auf die kleinen großen Daten, die uns abgemolken werden!
Dazu wollen wir etwas von Ihnen: Wissenschaftlich, künstlerisch, experimentell. Wir bitten um Ihre Beiträge in Form von Vorträgen, 5-Minuten-Blitzreferaten zu Projekten und Ideen, künstlerischen Beiträgen, auch selbst kuratierten Sessions und Panels.
Termine
Senden Sie bitte ein- bis max. zweiseitige Zusammenfassungen Ihres Beitrags oder Vorhabens zum Workshop HyperKult XXII
bis zum 21. April 2014
an
Universität Lüneburg
ICAM
HyperKult
21332 Lüneburg
oder
Eine hybride Publikation der Beiträge, online und im Druck, ist vorgesehen.
Programmkomitee
Lena Bonsiepen (Berlin)
Andreas Broeckmann (Lüneburg, angefragt)
Wolfgang Coy (Berlin)
Rolf Großmann (Lüneburg)
Wolfgang Hagen (Lüneburg)
Jochen Koubek (Bayreuth)
Agata Królikowski (Lüneburg)
Jens-Martin Loebel (Lüneburg)
Claus Pias (Lüneburg)
Martin Schreiber (Lüneburg)
Anna Tuschling (Bochum)
Martin Warnke (Lüneburg)
Sie werden bis zum 26. Mai 2014 über die Annahme Ihres Beitrags informiert.
Organisation
Rolf Großmann
Martin Schreiber
Martin Warnke
Jens-Martin Loebel
Fachgruppe »Computer als Medium«
Im Rahmen der HyperKult XXII wird auf einer Mitgliederversammlung am 19.7.2014 über die Arbeit der Fachgruppe und thematische Schwerpunktsetzungen der HyperKult beraten.
Veröffentlicht in Veranstaltungshinweise