Über die AG

Einleitung

In Zusammenarbeit mit nestor, dem Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung und der Gesellschaft für Informatik (GI), wurde am 6. September 2010 die gemeinsame Arbeitsgruppe „Emulation“ (in der GI: Fachgruppe Langzeitarchivierung) gegründet. Die gleichzeitige Anbindung der AG sowohl an die GI als auch an nestor ermöglicht den Zugriff auf die vielfältigen Ressourcen des Netzwerkes in Zusammenhang mit einer Bündelung der informatisch-technischen Kompetenzen der GI-Mitglieder.

Die Herausforderung des langfristigen Erhaltes und der Nutzung digitaler Objekte in kulturbewahrenden Institutionen bildet das Arbeitsfeld des nestor-Kompetenznetzwerkes. Das Aufgabenspektrum spannt sich dabei von der Klärung konzeptioneller und rechtlicher Fragen bis zur Vermittlung technischer Lösungen für den praktischen Einsatz. Die Vielzahl unterschiedlicher digitaler Objekte – vom einfachen Textdokument bis hin zur komplexen multimedialen Anwendung – bedarf unterschiedlicher konzeptioneller und technischer Lösungen.

In allen Verfahren ist der Erhalt des originalen Codes die Basis der Erhaltungsstrategie. Für die langfristige Sicherung der Nutzung beschreiten die beiden wichtigsten Konzepte Migration und Emulation allerdings unterschiedliche Wege. Bei der Migration wird das digitale Objekt für die Nutzung in neue Datenformate übertragen, um somit der Obsoletheit und dem Verlust der Interpretationsfähigkeit von älteren Datenformaten entgegenzuwirken. Dieses Verfahren kann jedoch nur für einen Teil der zu bewahrenden digitalen Objekte zum Einsatz kommen.

Vor allem komplexe digitale Artefakte (z. B. Applikationen) können auf diese Weise in der Regel nicht erhalten werden, da deren Migration in neue Datenformate nur mit einem sehr hohem Aufwand und unter signifikanter Veränderung des zu erhaltenden Codes möglich ist. Daher ist die Nachbildung der originalen Systeme durch Emulation in Software die einzige Möglichkeit zum Erhalt der Werke, da diese Artefakte darauf angewiesen sind. Neben dem Höchstmaß an Authentizität bietet Emulation die Möglichkeiten, Ein- und Ausgabeschnittstellen des nachgebildeten Systems zu verbessern und an aktuelle Systeme anzupassen sowie den Nutzern die Bedienung der emulierten Hard- und Software durch interaktive Hilfestellungen zu erleichtern. Die Emulation als Softwaretechnik ist in der Informatik weit verbreitet So existiert heutzutage für fast jedes obsolete System ein oder mehrere entsprechende Emulatoren.

Auch ergeben sich durch die Unabhängigkeit von obsoleter physisch realer Hardware vielfältigere Möglichkeiten des Zugangs. Doch auch für einfache, prinzipiell zu migrierende Artefakte ist die Emulation eine interessante Methode, da auch geringe Verluste (z. B. in der Formatierung eines Textes) über mehrere Migrationsschritte signifikante Veränderungen ergeben können. Ebenso können sich permanent wiederholende Migrationszyklen prinzipiell durch Emulation überflüssig gemacht werden. Die nestor-AG Emulation will einen Knotenpunkt für die Verbreitung, Erforschung und Vermittlung von praktischen Erfahrungen zu diesem Thema aufbauen. Dabei sollen alle Schritte im Rahmen der Bewahrungsstrategie „Transfer-Bewahrung-Zugang“ behandelt werden. Die Schwerpunkte sollen vor allem auf folgenden Themenbereichen liegen:

Schwerpunkte

  1. Strategische Zielstellungen
    • Vermittlung und Verbreitung der Emulation als Bewahrungskonzept
      Für welche Einsatzgebiete ist Emulation sinnvoll?
    • Erforschung offener technologischer Fragen zur Emulation als Bewahrungskonzept
      (siehe konkrete Forschungsfragen)
    • Interessenvertretung / Klärung der rechtlichen Grundlagen (u. a. hinsichtlich des 3. Korbes der Urheberrechtsnovellierung)
      Stellungnahme zu rechtlichen Fragen rund um das Thema Emulation (Transfer, Bewahrung, Zugang)
    • Networking
      Aufbau eines Netzwerkes zur Förderung und Erforschung der Emulationskonzepte
  2. Konkrete Forschungsfragen
    • Emulatoren
      Welche Emulatoren gibt es, welche Erfahrungen sind vorhanden? Wie ist dem Problem der Obsoleszenz zu begegnen?
    • Automatisierung
      Wie können auf Emulation Workflows automatisiert werden, so dass Bewahrung von und Zugang zu großen Sammlungen effektiv gestaltet werden können?
    • Authentizität / Integrität
      Zwar wird bei der Emulation der originale Bitstream erhalten, doch ergeben sich mehr oder weniger Veränderungen in seiner Ausführung durch den Umstand, dass die originale Umgebung nicht mehr real, physisch existiert. Worauf ist hier zu achten?
    • Transfer / Imageerstellung
      Welche technischen Lösungen gibt es für die Imageerstellung unterschiedlicher Medien (magnetische und optische Datenträger)? Welche Software steht zur Verfügung?
    • Erforschung und Vermittlung verschiedener Zugangsmöglichkeiten, wie z. B. Live Streaming
    • Haltbarkeit von Hardware
      Die Originalhardware ist für Emulation, für den Transfer wie für die Überprüfung der Authentizität wichtig. Hie wird die AG Informationen zur Haltbarkeit zusammentragen.
    • Best Practice Beispiele
      Erstellung bzw. Verbreitung von Best-Practices-Beispielen zum Einsatz von Emulation im Rahmen von Bewahrungskonzepten
  3. Aufbau von Kooperationen
    • Ausbau und Pflege der Kontakte zur Emulatoren-Community
      Kontaktaufnahme zu aktuellen Emulatoren-Programmierern, Entwicklungen beobachten, Kooperationen ermöglichen
    • Zusammenarbeit mit anderen nestor-Arbeitsgruppen
      – z.B. mit der AG Recht zur Klärung rechtlicher Fragen und zur Interessenvertretung oder AG Kooperation und Vernetzung im Bereich Hardware Registry
    • Kontakt zur Industrie
      Welche kommerzielle Emulation gibt es? Sind hier Public-Private-Partnerships möglich?
    • Aufbau internationaler Kontakte
      Einbeziehung internationaler Entwicklungen und Kontakt zu internationalen Partnern.

Die AG (in nestor und GI) betreibt und pflegt ein gemeinsames Web-Informationsportal auf diesen Seiten. Es soll einerseits die interne Diskussion, Kommunikation und Organisation vereinfachen, andererseits auch als öffentliches Informationsportal der AG dienen und in Zukunft Angebote zum Thema Emulation bereithalten. Darüber hinaus sind regelmäßige Sitzungen der Mitglieder vorgesehen, die ca. vierteljährlich stattfinden.